Leserfrage zum Thema Hochsensibilität

„Muss man als HSP auf Kaffee verzichten?“

Eigentlich ist das eine simple und sehr häufig gestellte Frage, aber die Antworten darauf sind sehr vielfältig und leider nicht so simpel.

Meine Neurologin hat gesagt, dass ich auf Kaffee verzichten sollte und mein Hausarzt hat gesagt, dass ich meinen Kaffee-Konsum reduzieren sollte und einfach ausprobieren muss, wie viel gut für mich ist.

Als langjährige Kaffeesüchtige wäre ein kompletter Verzicht von jetzt auf gleich nicht möglich gewesen. Zwar macht Kaffee einen nicht so süchtig und abhängig wie Drogen und Alkohol, aber einen gewissen „Entzug“ macht man beim Verzicht schon durch. Also habe ich mich für das Reduzieren und Ausprobieren entschieden.

Als HSP reagiert man nicht nur sehr stark auf äußere Reize (Licht, Lärm…), sondern auch auf innere Reize. Kaffee macht jeden irgendwie munter und kurbelt den Stoffwechsel an, aber bei HSP wirkt Kaffee nochmal stärker. Schnell wird aus einem munteren Menschen ein aufgekratzter Mensch und aus diesem wird dann bald ein sehr müder Mensch. Dieses krasse Auf und Ab tut uns nicht gut.

Ein Verzicht wäre wohl die vernünftigste Variante, aber wenn man vor der „Diagnose“ viel Kaffee getrunken hat, oder ihn auch einfach nur sehr gerne getrunken hat, wird das schwierig bis unmöglich. Selbst eine Reduktion ist sehr anstrengend und mit Nebenwirkungen verbunden.

Komplett auf Kaffee verzichten möchte ich nicht, vor allem, weil es extrem unpraktisch ist. Ich kann zwar meinen Morgenkaffee ohne große Probleme weglassen (bis dahin war es auch bei mir ein langer Weg), aber ich brauche dann sehr lange, um in die Gänge zu kommen. Vor 12 Uhr könnte ich nicht viel machen und das geht einfach nicht.

 

Wie reduziere ich möglichst schonend meinen Kaffeekonsum?

Ich habe von Woche zu Woche immer eine Tasse weniger getrunken. Ausgangspunkt waren bei mir 6 Kaffeebecher pro Tag. Ich habe irgendwie immer Kaffee getrunken…  Der Versuch, schneller ans Ziel zu kommen, ist total in die Hose gegangen. Ich hatte Kopfschmerzen und Verdauungsprobleme –> also schön langsam machen und wenn man mal nicht weniger trinken kann, dann versucht man es eben in der nächsten Woche! Mittlerweile bin ich bei ein bis zwei Bechern Kaffee mit Milch und einem halben Teelöffel Zucker.  Für mich ist das die Dosis, bei der nichts negatives mit mir passiert.

 

Was ist noch wichtig?

Einen wichtigen Punkt habe ich eben schon genannt – ZUCKER. Zucker ist überall und vor allem auch dort, wo wir ihn nicht erwarten. Auf Zucker reagieren wir fast noch stärker, als auf Kaffee. Zucker ist „Nervennahrung“, aber wir HSP müssen unsere Nerven nicht noch zusätzlich füttern, denn sie sind ja schon extrem aktiv. Aus diesem Grund war für mich die Reduktion von Zucker eigentlich noch wichtiger.

Auf raffinierten Zucker verzichte ich komplett und benutze nur noch Rohrohrzucker. Diesen benutze ich aber nur im Kaffee und mal im Kuchen („fremden“ Kuchen vermeide ich nach Möglichkeit, weil ich wegen meiner Migräne auch auf Weißmehl verzichte); das war es auch schon an Kristallzucker. Ansonsten nehme ich noch Zucker in Form von Obst und Gemüse und durch Vollkornprodukte zu mir.

Da besonders viel Zucker in Fertigprodukten und in hoch verarbeiteten Produkten steckt, verzichte ich weitestgehend darauf. Greife ich doch mal zu solchen Dingen, dann achte ich schon sehr auf einen möglichst geringen Zuckergehalt oder bevorzuge Produkte mit Honig als Süßungsmittel (auf Honig reagiere ich nicht so stark, aber das muss jeder selbst ausprobieren).

Ersatz-Süßstoffe sind besonders für HSP keine gute Alternative. Unser Körper kennt Zucker und wenn wir etwas Süßes essen, dann wartet er darauf. Bei Süßstoffen wartet unser Körper vergebens und wird zickig (mal ganz einfach gesagt). Also wenn süß, dann auch mit richtigem Zucker. 

Ein weiterer Punkt sind Konservierungsstoffe, Farbstoffe und andere Zusatzstoffe. Auch auf die reagieren viele HSP überdurchschnittlich stark und so sollten wir auch diese reduzieren oder möglichst ganz meiden.

Was für einen gut oder schlecht ist, kann man nur durch Ausschlussverfahren herausfinden. Leider ist dabei für viele von uns eine langwierige Ernährungsumstellung unumgänglich. Auch wird man ums Kochen nicht drumrum kommen. Was tut man nicht alles für sein Wohlbefinden?!

 

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