Zitterhändchen – essentieller Tremor

Ihr wisst ja, dass ich schon lange ein Buch über Hochsensibilität lese und dass ich darin auch schon auf viele interessante Dinge gestoßen bin. Eigentlich „fresse“ ich Bücher und bin meist auch mit dem dicksten Schinken nach drei Tagen fertig, aber dieses Buch stellt mir immer neue Aufgaben, die ich für mich lösen muss. Das hilft mir auch in meinem Studium zur Psychologischen Beraterin.

Letztens habe ich in dem Buch ein sehr spannendes Interview mit einem hochsensiblen Mann gelesen. Dieser berichtete von mir sehr bekannten Situationen.

  1. Zitternde Hände, wenn er an der Kasse mit Karte bezahlt und auf dem Kassenbon unterschreiben muss.
  2. Zitternde Hände, wenn er eine Tür aufschließt und jemand hinter/neben ihm steht.
  3. Zitternde Hände, wenn man bei einer Feierlichkeit das Sektglas zu einem Toast erhebt.
  4. Zitternde Hände, wenn er in großer Runde isst.
  5. Kopfzucken bei wichtigen Gesprächen

usw.

„Wahnsinn, das bin ich… der redet über mich!“, dachte ich und war umso gespannter, als er sagte, dass er seinen Zitterhändchen, durch einen aufmerksamen Neurologen, endlich einen Namen geben konnte – essentieller Tremor.

Von einem Tremor habe ich schon häufig bei meiner Lieblingssendung „Hautnah – Die Tierklinik“ gehört und jedes Mal gesagt, dass ich sowas auch habe und wahrscheinlich zu einem der Tierärzte müsste, um endlich Gewissheit zu bekommen.  Nun hat auch ein Mensch darüber berichtet und ich habe mit meiner Infosuche begonnen.

Zitterhändchen habe ich seit meiner ersten Migräneattacke im Alter von 10 Jahren. Zunächst habe ich das Zittern gar nicht wirklich wahrgenommen und wurde erst darauf aufmerksam, als mich immer mehr Leute darauf ansprachen. Auch heute fällt mir das Zittern oft nicht auf, weil es so leicht ist, dass es nur jemand merkt, dem ich die Hand zur Begrüßung/zum Abschied reiche. Später ist mir noch aufgefallen, dass mein Kopf bei wichtigen Gesprächen nach unten links zuckt – das fühlt sich fast wie ein Krampf an. Das Kopfzucken habe ich nun schon länger nicht mehr. Meines Erachtens nach hatte das etwas mit Unsicherheit zu tun und heute kann mich eigentlich niemand mehr verunsichern. 

Dass das Kopfzucken verschwunden ist, ist für mich auch richtig super, denn es bedeutet, dass das Zittern wohl im Laufe meines Lebens nicht schlimmer werden wird. Eigentlich wird ein essentieller Tremor immer schlimmer und weitet sich aus; bei mir geht er zurück.

So kann ich mittlerweile fast immer die Tür aufschließen, ohne zu zittern. Von vertrauten Personen kann ich nun auch filigrane Gegenstände entgegen nehmen, was jahrelang gar nicht ging. Ich musste immer alle auffordern, solche Sachen hinzulegen, damit ich sie mir selber nehmen kann.

Was noch nicht so gut geht, ist langstielige Gläser, zB. Sekt- und Weingläser, richtig anfassen. Nach einem Schluck sieht das schon anders aus und ich kann den Stiel anfassen. Das liegt daran, dass Alkohol die Nerventätigkeit dämpft.

Ein solcher Tremor entsteht nämlich, laut aktuellem Kenntnisstand, vor allem durch sehr aktive Nerven, die ihre Informationen ins Leere schießen. Das kann passieren, wenn man zB. zu viele Nerven hat und im Kopf alles drunter und drüber geht, wie es bei meiner Migräneform und der Hochsensibilität der Fall ist. Der Sender schickt mehr Nachrichten los, als der Empfänger aufnehmen kann. Auch kann es vorkommen, dass plötzlich Hirnbereiche miteinander kommunizieren, die bei „gesunden“ Menschen niemals miteinander kommunizieren würden. Da kommt es natürlich zu Missverständnissen. Hier spricht man von einem Aktionstremor. Dieser tritt also immer dann auf, wenn man aktiv etwas tut.

Im Gegensatz dazu steht der Ruhetremor, der bei Parkinson auftritt. Parkinsonpatienten fangen an zu zittern, wenn sie entspannt sind. Einen weiteren, sehr speziellen, Tremor gibt es bei Epilepsie. Hier wird es nun interessant, denn alle drei Krankheiten sind, trotz wahnsinniger Unterschiede, miteinander verwandt.

Ich würde mich sehr freuen, wenn in diesem Bereich noch mehr Forschungsarbeit stattfinden würde, denn schließlich könnte man damit mehrere Krankheiten auf einmal bearbeiten. Da die Migräneforschung und die Parkinsonforschung auch nicht sonderlich weit sind, wäre das wirklich hilfreich. Vor allem würde es der Psyche sehr helfen, wenn man genau weiß, was man hat, wenn man es verstehen und erklären kann und wenn man das Ausmaß und die Konsequenzen kennt. Mir wurden schließlich aufgrund des (in meinem Fall harmlosen) Zitterns eine schwerwiegende Angststörung, krankhafte Nervosität und eine Panikstörung unterstellt. Ich möchte nicht wissen, wie viele Menschen bei ähnlichen Symptomen solche Diagnosen bekommen haben und sich daraufhin massenhaft Tabletten einwerfen oder in die Psychiatrie gehen/ gegangen sind.

Es gibt Medikamente, die das Zittern unterdrücken können. Hier muss jeder selbst entscheiden, ob der Schweregrad dafür spricht. Ich finde mein Zittern nicht so schlimm, dass ich Medikamente nehmen würde, zumal es bei mir ja auch immer weniger wird; hier sehe ich den direkten Zusammenhang zur Migräne – je besser ich vorbeuge und je geringer der Schmerz, desto weniger zittere ich auch. Es ist zwar ein Glücksspiel, aber es geht. Bleiben bei mir also noch die Situationen, in denen ich auf unberechenbare Personen treffe, Überraschungen und Tage, an denen ich Kreislaufprobleme habe. Unberechenbare Personen und Überraschungen treten meist in Gesellschaft und bei Feierlichkeiten auf. Da es dort häufig einen Schluck Sekt gibt, ist das Zittern auch schnell vorbei – natürlich ist Besaufen keine Alternative; ich rede wirklich nur von geringen Mengen an Alkohol, die auch dem Genuss dienen. Bei mir hält sich das Zittern schon wirklich in Grenzen, da ich mir einfach immer sage, dass alles nicht so schlimm ist. Wenn ich jedoch etwas Blödes erwarte, ist das Zittern deutlich präsenter. Positiv ist auch die Tatsache, dass wenn der Zustand über Jahre unverändert bleibt, die Wahrscheinlichkeit sehr groß ist, dass das Zittern auch nicht mehr schlimmer wird. Sollte mich nun jemand auf mein Zittern ansprechen, sage ich, dass ich einen essentiellen Aktionstremor habe und Ruhe ist. 

 

*Ich bin kein Arzt und habe mich wahrscheinlich auch nicht medizinisch korrekt ausgedrückt. Mir war es wichtig, dass man einen Eindruck von dem essentiellen Tremor bekommt. Meine Infos habe ich auch nur aus diversen Arztinterviews und Medizinzeitschriften.

 

 

 

 

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