Was steckt hinter (meinem) Make-up?

Make-up ist in erster Linie oberflächlich. Jemand, der sich auffällig schminkt, wobei „auffällig“ für viele schon „Nicht-Nude-Look“ bedeutet, wird als oberflächlich und nicht sehr intelligent wahrgenommen.

Dabei ist häufig das Gegenteil der Fall. Viele sehr intelligente Frauen, mit vorwiegend ernsten und verantwortungsvollen Berufen, „flüchten“ sich gerne in die belanglose, schöne Welt der Kosmetik (Das gilt übrigens auch für die Mehrheit der Männer mit weiblicher Seite; der Star-Anwalt, der sich abends total auftakelt und als stark geschminkte Frau feiern geht, ist keine Hollywood-Erfindung!) . Sie wollen sich etwas Gutes tun, Spaß haben und neue Dinge ausprobieren – alles das, was sie im normalen Alltag nicht ausleben können.

Die andere Gruppe der auffällig Geschminkten schminkt sich immer sehr ähnlich und probiert nicht so viel aus. Diese Gruppe hat herausgefunden, mit welcher Optik sie die meiste Aufmerksamkeit bekommt und bleibt dann dabei.

Der ersten Gruppe geht es sehr viel weniger um Aufmerksamkeit und Anerkennung. Sie punkten mit anderen Attributen und müssen nicht immer zu den Besten und Schönsten gehören.

Fakt ist: Kein Mensch kann 24 Stunden am Tag tiefgründig und ernst sein. Der Mensch braucht schöne Belanglosigkeiten.

So hätten wir auch die Frage geklärt, warum ich mich häufiger mal auffällig und auch bunt schminke. Es macht mir Spaß, ist nicht todernst und ich kann viel Neues ausprobieren und lernen. Ich beschäftige mich den ganzen Tag mit dem Einheitsgrau unserer Gesellschaft und den vielen Schattierungen einzelner Schicksale. Damit ich das alles verarbeiten und hinter mir lassen kann, muss ich etwas Farbe in mein Leben bringen. Ich muss für mich etwas spaßiges tun und ich muss etwas tun, was einmal nur mich betrifft; schließlich beschäftige ich mich den ganzen Tag mit anderen.

Make-up kann aber auch eine schützende Fassade sein. Viele Frauen gründen ihr Selbstbewusstsein und ihr Auftreten auf ihrem Make-up. Das ist zwar nicht sonderlich gesund, aber viele von uns brauchen eine klare Abgrenzung ihrer Rollen, um ihren Alltag zu schaffen. Beispielsweise gehen wir weder im Jogging-Anzug zur Arbeit, noch wischen wir in Bundfaltenhose und Bluse die Bude durch. Wir schlüpfen den ganzen Tag in die Rollen, die gewisse Tätigkeiten von uns erfordern. Manchen reicht für die richtige Einstellung und Einstimmung ein Kleiderwechsel, während andere sich lieber komplett verändern. So ist man bei der Arbeit knallhart und selbstbewusst und zu Hause kuschelt man sich mit einer unförmigen Jogginghose  in eine kitschige Decke.

Bleibt zum Schluss noch das Verstecken „optischer Unzulänglichkeiten“. Wer traut sich schon selbstbewusst mit einem fetten Pickel in die Öffentlichkeit? Die meisten würden ihn abdecken oder den Kopf gesenkt halten.

Eine Haut, die nicht makellos ist, ist in unserer medial geprägten Gesellschaft einfach nicht normal. Viele von uns werden gefragt, ob sie krank seien, nur weil sie mal ungeschminkt vor die Tür gehen. Eine ungeschminkte Haut hat immer irgendwelche „Makel“, aber dieses Bild kennen wir einfach nicht mehr oder wollen es nicht kennen. Eigentlich schade und wir machen uns so unnötig viel Stress. Viele schminken sich daher auch nicht für sich und weil es ihnen Spaß macht. Die meisten schminken sich für andere und das ist nicht richtig.

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