Meine Buch-Enttäuschung des Frühlings

Einige haben es vielleicht schon mitbekommen, ich bin eine Viel-Leserin. Am liebsten lese ich Thriller und Psychothriller, aber auch ein gutes und sachdienliches Sachbuch kann mich glücklich machen.

Da ich mich durch meine Migräne viel bewegen soll, sehr gesund essen muss und auch ein wenig abnehmen möchte (Tabletten sind scheiße für die Figur), habe ich mich sehr gefreut, als ich bei amazon in der Kategorie prime reading auf „Das Bikini-Bootcamp“ gestoßen bin. Neue Rezeptideen und Sporttipps kann man schließlich immer gebrauchen und so habe ich mir dieses Werk mal durchgelesen.

„Durchgelesen“ beschreibt das alles auch schon sehr gut, denn ich war schnell mit dem Lesen durch und in meinem Kopf sah es auch nicht besser aus.

An sich ist das Buch sehr schön geschrieben, es wird sehr viel erklärt und die wichtigsten Dinge werden ständig wiederholt, sodass man sie nicht vergessen kann.

Ich bin mir auch ziemlich sicher, dass man mit Hilfe dieses Buchs und der dazugehörigen DVD gut abnehmen kann, nur leider hält es einige Versprechen nicht.

Versprechen Nr. 1: Man benötigt für das Training nicht so viel Zeit.

Da man die meisten Übungen Zuhause oder draußen machen kann, erspart man sich auf jeden Fall einen Weg. Die insgesamt 1-1,5 Stunden pro Tag sind auch nicht zu viel, müsste man sie nicht in drei Teile aufteilen – ausnahmsweise darf man auch zwei Teile daraus machen, dann wird es aber richtig hart, denn man muss trotzdem alle Übungen des Tages irgendwo unterbringen. Vollzeitbeschäftigte gucken da schon in die Röhre und es ist mir ein Rätsel, wie ich den ganzen Sport vernünftig aufteilen sollte.

Versprechen Nr. 2: klare Linie, gute Anleitung, einfach und leicht umsetzbar 

Besonders zwei Wörter sind in meinem Kopf hängen geblieben – „Ausnahme“ und „Alternative“. Ständig war davon die Rede und ich war plötzlich total verwirrt. Flexibel Sport machen, flexibel essen, flexibles Essen… das war schon etwas zu flexibel und wenn man erst ins Grübeln kommt, dann kommt auch schnell der Zweifel. Hingegen keine Alternativen gab es bei den Sportübungen. Es gibt sehr viele Übungen, die leider ganz schön auf die Gelenke gehen und wer vorgeschädigt ist, oder so viel auf den Rippen hat, dass die Gelenke eh schon ihr Tun haben, wird ziemliche Schmerzen erleiden müssen. Das macht man so nicht lange mit. Hier wäre es wirklich schön gewesen, wenn man Erleichterungen oder Hilfsmittel vorgeschlagen hätte. Auch gibt es sehr viele „Hüpf-Übungen“, die man den Nachbarn zu Liebe besser im Keller machen sollte, wobei die meisten Kellerdecken dafür zu niedrig sein dürften. Bleibt also nur der Weg nach draußen und die Hoffnung, dass man keine Zuschauer hat.

Versprechen Nr. 3: vielseitig essen und satt werden

Ja, wenn ich den ganzen Tag mit mir beschäftigt bin und mein Kopf nicht viel zu tun bekommt, dann werde ich satt (im Sinne von „ich funktioniere“). Gleich am Anfang wird geschrieben, dass man auf nur drei Dinge verzichten muss: Weizen, Raffinadezucker und Alkohol. Dafür, dass ich nur darauf verzichten muss, wird in den Rezepten aber auf sehr viel verzichtet und wer auf sein Denkvermögen angewiesen ist, der wird mit dem Essen sehr schnell an seine Grenzen stoßen. Gerade bei den Frühstücksrezepten sind zu wenig Kohlenhydrate dabei und wenn ich mir vorstelle, dass ich so ins Büro muss und gute Arbeit leisten muss, dann kann das nicht gehen; erst recht nicht von jetzt auf gleich. Kohlenhydrate zu reduzieren ist ein sehr langwieriger Prozess und es dauert sehr lange, bis sich der Körper darauf eingestellt hat und mit wenig „Zucker“ normal funktioniert (habe ich ja durch).

Was mich auch stört ist, dass die Zutaten teilweise sehr teuer sind, nicht überall erhältlich sind und dass nicht effizient geplant wurde. Ich konsumiere auch sehr viele Alternativen zu Weizenprodukten, Kartoffeln und anderen typischen Beilagen. Von daher weiß ich, dass die Produkte, mit denen man schnell etwas zaubern kann, und die gerade sehr im Trend sind, entsprechend teuer sind. Natürlich gibt es auch sehr günstige Alternativen, aber die haben meist den Haken, dass man sie lange kochen muss oder sogar auch einweichen und quellen lassen muss. Auch stehen sehr viel Lachs und Avocados auf dem Plan, was das Budget weiter schmälert. In einigen Rezepten könnte man zB. den Lachs gegen Forelle tauschen, was in einigen Regionen auch wesentlich nachhaltiger wäre (bei uns gibt es mehrere Forellenzuchten). Hier wäre es also wirklich schön, wenn man auch günstigere Alternativen nennen würde.

Zum Thema Planung wäre es schön, wenn man mit wenigen Zutaten verschiedene Gerichte machen könnte. Viele Produkte sind leider so abgepackt, dass man am Ende des Programms ziemlich viele Reste hat und das muss ja nicht sein. Gerade bei frischen Lebensmitteln kann es da kritisch werden und für meinen Mülleimer will ich nicht einkaufen. Auch vom Transport und von der Lagerung her wäre es besser, wenn man ein Produkt für möglichst viele Rezepte nutzen kann. Das größte Problem sehe ich da auch bei Gemüse. Gemüse besteht nun mal zum größten Teil aus Wasser und hat auch ein gewisses Volumen. Wenn man Gemüse quetscht, wird es schneller schlecht und auch bei falscher Lagerung wird es unschön. Nicht jeder hat einen großen Kühlschrank mit entsprechenden Klimazonen und im Keller ist auch nicht unbedingt Platz. Hier könnte man bei manchen Rezepten auch auf Tiefkühlware hinweisen.

 

Oh man, das war jetzt viel. Wie gesagt, dass Buch ist wirklich nicht schlecht, aber es hat eben nicht dem entsprochen, was in der Beschreibung und im Klappentext stand. Von diesen Infos her hätte ich ein praktikables Konzept für jedermann erwartet. Dieses Programm kann in dieser Form nur richtig funktionieren, wenn man sehr viel Zeit hat und auch zur richtigen Zeit Zeit hat, wenn man einen großen Kühlschrank und einen Keller hat, wenn man allein lebt/der Partner den ganzen Tag auf Arbeit ist und sich abends mit einer Schnitte begnügt, wenn man keine Kinder hat und wenn man relativ viel Geld für Lebensmittel ausgeben kann. Ach ja, wegen der Hüpfübungen sollte man besser auch im Erdgeschoss oder im Eigenheim wohnen.

Schade, das hätte was werden können…

 

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