Make Up, Selbstbild, Selbstwert

In diesem Jahr scheint es beim Thema Makeup sehr viel Diskussionsbedarf zu geben. Das ist auch klar, denn nur selten trafen so viele, teils konträre, Trends aufeinander. So gibt es vor allem zwei extreme Gruppen. Gruppe 1 nutzt das Gesicht als Leinwand und erfindet sich mit allerlei Farbe komplett neu. Gruppe 2 setzt auf Natürlichkeit und so wenig Produkte wie möglich. Dazwischen gibt es die Otto-Normalverbraucher, welche sich je nach Anlass schminken, nicht schminken und etwas mehr schminken.

Bring die mal alle zusammen! –> Geht nicht! Gerade in den sozialen Medien gibt es unendlich viele Diskussionen darüber, was denn nun schön ist und was nicht. Oder darüber, ob man mit 1kg Schminke im Gesicht noch man selbst sein kann; mein Lieblingsthema, obwohl ich das Thema „schminken und in Würde altern“ auch ganz toll finde.

Fangen wir damit mal an. Gemäß erschreckend vieler Damen aus einer Schmink-Gruppe sollte man sich ab einem gewissen Alter nicht mehr so schminken, wie man das momentan in den Medien sieht. Einige gehen sogar so weit und schreiben, dass man ganz auf Make Up verzichten sollte. Ich kann das nicht verstehen! Warum sollte ich ab 60 oder 70 zB. kein Contouring mehr machen? Meine Haut wird doch nicht straffer! Jetzt, wo mein Gesicht noch nicht in den Kniekehlen hängt, mache ich meine paar Bronzer-Striche und gut ist. Wenn mein Gesicht dann aber irgendwann der Schwerkraft zum Opfer fällt, ist es doch toll, wenn ich so einfache Maßnahmen, wie Contouring, ergreifen kann, um mich wohl zu fühlen. Natürlich sollte man regelmäßig seine Produkte daraufhin prüfen, ob sie für die Haut und deren Beschaffenheit noch geeignet sind. So wird man wohl irgendwann mit einer super deckenden Foundation und Unmengen an Puder nicht mehr sonderlich toll aussehen. Wenn trotzdem jemand meint, mit ü70 noch Camouflage, Glitzer und Co. benutzen zu müssen, dann sollten wir damit kein Problem haben; jeder nach seiner Fasson. Ich werde niemals auf Make Up verzichten, dafür macht mir das Schminken einfach viel zu viel Spaß! 

Kommen wir nun zu meinem Lieblingsthema: „Du siehst dir nicht mehr ähnlich!“

Hat schon mal jemand darüber nachgedacht, dass das vielleicht Absicht sein könnte? Vielleicht möchte sich das Gegenüber einfach verändern?! Oder es sieht sich anders, als das Umfeld. Viel Schminke im Gesicht zu haben, hat nicht zwingend etwas damit zu tun, dass man ein geringes Selbstbewusstsein oder Selbstwertgefühl hat. Natürlich spielt das auch eine Rolle, aber die meisten Zweifel verschwinden nach dem Teenie-Alter und irgendwann hat sich auch der letzte gefunden und ein bestimmtes Bild von sich.

Mir ging es vor ein paar Tagen ähnlich. Ich hatte schon lange mit dem Gedanken gespielt, mir meine unzähligen Haarfarben mal rauszuziehen, da ich viele unschöne Übergänge hatte, die jetzt im Sommer richtig stark zum Vorschein gekommen sind, da ich öfter mal draußen war und die Sonne ganze Arbeit geleistet hat. Diese Woche war mein Mittel der Wahl im Angebot und so war ich im Zugzwang. Ok, nicht wirklich… wenn ich mir etwas vornehme, dann mache ich das auch. Somit habe ich das Zeug gekauft, mir ins Haar geschmiert, ewig gewartet und noch länger ausgespült. Schon beim Ausspülen kam das ganze Ausmaß zum Vorschein. Ich hätte niemals gedacht, dass das Zeug bei nur einer Anwendung so krass wirkt. Nach vier Stunden Trocknen hatte ich dann fast meine natürliche Haarfarbe zurück. Das war nicht ich! Dieses nichtssagende Aschblond mit ein paar Rotanteilen war nicht meine Haarfarbe. Meine Haarfarbe ist rot, rot-pink, pink, oder irgendwas mit rot-violett. Meine Optik erinnerte mich stark an den Mehlwurm, den Newton letztens apportiert hat; fragt nicht!  Man war ich froh, als ich meine Haare am nächsten Tag endlich wieder schön einheitlich rot hatte.

Wenn meine Persönlichkeit nun mal rothaarig ist, dann ist sie das eben! Wenn sie pinke Haare haben möchte, dann klatsche ich da eben pink rein. Wen interessiert das?! Ähnlich ist es mit dem Make Up. Warum sollte ich wie ein Trauerkloß rumlaufen, wenn ich super gut gelaunt bin?

Das bin ich und vielen anderen geht es auch so. Wenn die Mitmenschen das nicht sehen, oder nicht sehen wollen, dann ist mir das herzlich egal. Da kann ich mir noch so viel Spachtelmasse ins Gesicht klatschen, für den Moment bin ich eben genau das. Am nächsten Tag kann ich das nochmal machen und ich erkenne, dass ich das in diesem Moment nicht bin. Make Up, Haarfarben und Kleidung sind einfach nur Kommunikationsmittel. Sie helfen uns, uns besser auszudrücken. Je facettenreicher der Mensch, desto voller wird wohl sein Kleiderschrank/ sein Kosmetikschrank sein; trotzdem ist so ein Mensch immer er selbst.

Diskussion Ende 

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