Ungeschminkte Wahrheiten

Ganz ehrlich; noch vor ein paar Jahren hätte ich niemals ein Bild von mir ohne Make Up, geschweige denn eines mit nicht mehr ganz so taufrischem Make Up, gemacht. 

So war es für mich unvorstellbar, ohne Make Up in den Supermarkt zu gehen – da wird man ja gesehen. Der Weg zum Briefkasten war besonders am Wochenende unendlich lang und allerhöchstens mein Hausarzt bekam mich ab und an mal ungeschminkt zu sehen; natürlich auch nur, wenn ich so krank war, dass ich meine Kosmetikpinsel nicht mehr halten konnte

Hand aufs Herz – geht ihr mal wirklich ungeschminkt aus dem Haus? Ohne auch nur einen Hauch Abdeckstift, um den doofen Pickel zu kaschieren? Selten, oder? Aber wo vor haben wir Angst? Meinungen und Urteile! In Zeiten von Social Media wird alles und jeder immer beurteilt und teilweise auch verurteilt. Wir sind es gewohnt verglichen zu werden und vergleichen uns auch selbst mit den vorherrschenden Schönheitsidealen. Und was im Netz passiert, dass passiert natürlich auch draußen. Man wird kritisch beäugt, es wird getuschelt und man selbst wird immer unsicherer. Natürlich sieht niemand in natura so aus, wie auf einem Bild im Netz. Natürlich kennen wir Photoshop, aber diese „falschen“ Bilder brennen sich eben ins Gedächtnis ein und wir sind dann der Meinung, dass ein Mensch, besonders eine Frau, so auszusehen hat. Man ist das eine kranke Welt! Aber es wirkt; auch bei mir.

Ich gehe mittlerweile ungeschminkt zum Arzt und in den Supermarkt, aber ohne Make Up verhalte ich mich ganz anders. Normalerweise trage ich eher hohe Schuhe, ungeschminkt greife ich häufiger zu flachen Modellen. Außerdem schaue ich häufiger nach unten und vermeide Blickkontakt. Mit Make Up bin ich eher der Konfrontationsmensch; ich schaue meinen Mitmenschen direkt in die Augen – blödes Alphatier-Verhalten . Ungeschminkt hängen mir auch immer die Haare im Gesicht – schön verstecken – und ich trage weitere Klamotten. Bloß nicht auffallen! Allerdings ist mir dabei auch etwas aufgefallen; ich werde ungeschminkt, vor allem von Frauen, freundlicher behandelt. Wahrscheinlich sehen sie ungeschminkt keine Konkurrenz in mir (die ich eh nicht wäre, weil ich mehr so der Kumpeltyp bin, aber das sieht man mir ja nicht an ).

Und da sind wir auch schon wieder in meinem Lieblingsbereich, der Psychologie. Ungeschminkt wirkt man auf andere ungefährlich (keine Kriegsbemalung) und unterwürfig. Man genießt eine Art Welpenschutz und wird zuvorkommend behandelt. Ausnahmen sind hier Parfümerien. Gehe einmal ungeschminkt in deine Stammparfümerie und du hast versch*** Ich wurde sogar schon mal gefragt, ob ich mir die Augencreme, welche ich gerade bezahlen wollte, überhaupt leisten könne.  Wenn man also etwas von jemandem will, dann sollte man demjenigen ungeschminkt gegenüber treten (außer an Orten, an denen es nur um Äußerlichkeiten geht).

Anders verhält es sich, wenn jemand etwas von dir will und im Job. In diesen Fällen ist jemand mit Make Up wesentlich vertrauenswürdiger, als eine ungeschminkte Person. Das liegt daran, dass man geschminkt natürlich keine Makel mehr hat und eine makellose Haut verbinden wir mit Gesundheit und Fitness. Jemand, der gesund und fit ist, ist ein Vorbild und wir schenken dieser Person unsere Aufmerksamkeit und unser Vertrauen. Im Job verbinden wir mit Make Up vor allem Attribute wie Organisationstalent, Korrektheit, Zuverlässigkeit und eine gewisse Art von Wertschätzung. Zum Beispiel: Frau Müller schafft es trotz Kind und Hund, sich pünktlich zum Arbeitsbeginn um 8 Uhr für uns chic zu machen. Übersetzt: Frau Müller erledigt trotz jeder Menge Stress und Zeitdruck alle Aufgaben zuverlässig und sieht dabei auch noch toll aus.

Mit Make Up kann man also sehr viel erreichen. Man kann Menschen beeindrucken und beeinflussen, man kann gewisse Situationen für sich positivieren und man kann seine Aufstiegschancen erhöhen. ABER: Die Dosis macht das Gift! Zu viel Schminke kann alles wieder kaputt machen.

Also überlegt euch ganz genau, wann und wo ihr euch wie schminken solltet UND macht euch nicht so viel Stress! Niemand ist perfekt oder wird es je werden

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