Struktur – Teil 3 – Freizeit

Kaum zu glauben, aber selbst unsere kostbare und geliebte Freizeit kann uns zu schaffen machen. Es gibt zahlreiche Studien mit Kindern, die zeigen, dass wir einfach zu viele Möglichkeiten zur Gestaltung unserer Freizeit haben und uns dadurch total geplättet und erschöpft vor den Fernseher schmeißen und eben nicht zum Sport gehen usw. Studien mit Erwachsenen würden dasselbe ergeben; mit dem kleinen Unterschied, dass bei den Erwachsenen das Geltungsbedürfnis und die gesellschaftliche Anerkennung noch eine Rolle spielen.

Wenn uns jemand fragt, was wir am Wochenende machen, dann müssten die meisten von uns ehrlicherweise wohl sagen, dass der Haushalt ansteht und man sonst nur in Jogginghose irgendwo rumgammelt, weil die Woche so anstrengend war. Sagt das einer von uns? Wohl die wenigsten! Niemand will wissen, wie hart die Woche war und dass sich die Dreckwäsche bis zur Decke stapelt. Da sagt man doch lieber, das man sich mit seiner besten Freundin zum Brunch trifft, anschließend shoppen geht und abends die Clubs unsicher macht. Natürlich ist man danach am Sonntag wieder so topfit, dass man mit seiner Familie über den Bauernmarkt schlendert und nachmittags eine Runde durch den Wald joggt.

Wir machen uns Stress! Wir machen uns Stress, weil wir anderen Menschen gefallen wollen und sie zu einem gewissen Grad auch neidisch machen wollen. Das ist doch bescheuert! Unsere Freizeit ist so rar und kostbar, dass wir sie nicht anderen widmen sollten, sondern ausschließlich uns.

Leider gibt es da noch die „sozialen Medien“, die auch immer wieder mit neuen Bildern von wahnsinnig schönen Momenten gefüttert werden wollen. Es ist unmöglich, dass jeder Tag voller wunderschöner, fotoreifer Momente ist! Wäsche waschen ist nicht wunderschön, muss aber gemacht werden; meine Jogginghose ist nicht schön, aber beim Putzen ist sie wesentlich bequemer als ein Cocktailkleid.

Lasst euch nicht von anderen beeinflussen! Es gibt Menschen, die müssen raus und was erleben und es gibt Menschen, die lieber auf der Couch liegen. Alle sollten mit ihrer Freizeit tun und lassen, was sie wollen.

Aus diesem Grund empfehle ich einen Social-Media-Verzicht an freien Tagen. Es bringt einem nichts und es nimmt einem nichts – also AUSSCHALTEN! Natürlich ist das nicht einfach und man wird häufig das Gefühl haben, dass man etwas verpasst, aber es wird doch alles gespeichert und man kann seine Freunde auch zwei Tage später noch „stalken“. Früher oder später wird jeder von uns merken, wie viel Zeit in den sozialen Medien verloren geht, die wir viel besser für uns nutzen könnten.

Sollte doch mal Langeweile aufkommen, dann ist das gar nicht schlimm. Langeweile hilft unserem Gehirn endlich das abzuarbeiten, was es in dem ganzen Trubel nicht geschafft hat. Das ist wie mit dem Haushalt, für den in der Woche keine Zeit war. Desweiteren macht Langeweile kreativ und wir entdecken ganz von alleine Freizeit-Möglichkeiten, die wir gerne wahrnehmen würden.

Tritt das so nicht ein, dann könnten wir überlegen, was wir früher einmal gerne gemacht haben. Wir haben schließlich nicht immer nur auf der Couch gelegen… Das Auflebenlassen alter Hobbys gibt uns in jedem Fall Bestätigung und Bestätigung ist doch immer toll. Entweder entdecken wir unser altes Hobby für uns wieder und haben Spaß damit, oder wir erfahren, dass wir uns verändert haben und dass das Hobby nichts mehr für uns ist.

Hin wie her, in Sachen Freizeitgestaltung geht Probieren über Studieren. Wir sollten die Vielfalt der Möglichkeiten nutzen und uns nicht von ihnen erschlagen lassen. So kann man sich jede Woche eine Variante aussuchen und ausprobieren – ohne Stress und ohne Fotos (selbst wenn ihr Erinnerungsfotos machen wollt, ein paar Tage später sind sie genau so schön und müssen daher nicht sofort ins Netz). Damit auch noch genug Zeit zum Ausruhen und für die doofen Dinge des Lebens bleibt, verplane ich immer nur einen halben Tag. Meist nutze ich die Aktivität als Belohnung für die erledigten Haushaltssachen. 

Überblick verschaffen –> Tätigkeit aussuchen –> Zeitpunkt aussuchen –> Zeitraum festlegen –> ausprobieren… Viel Spaß!