Panik

Die Themen „Angst“ und „Furcht“ hatten wir schon mal; Angst ist diffus und Furcht ist gerichtet. Doch was ist Panik? Für mich ist Panik eine Ausdrucksform, quasi die Reaktion auf Angst oder Furcht und da sind wir auch schon bei einem spannenden Thema: Gibt es immer einen definierten Auslöser für eine Panikattacke? 

Die Frage kam in einer „Psycho-Gruppe“ auf und ich versuche sie mal zu beantworten. (Nach dem Motto: „Jeden Tag eine gute Tat!“, versuche ich regelmäßig Fragen in solchen Gruppen zu beantworten. Viele trauen sich einfach nicht, mit einem Arzt/Therapeuten zu sprechen und holen sich erstmal woanders ihre Antworten. Das ist eine traurige Entwicklung, aber dazu später mehr.)

 

Meine letzte Panikattacke liegt zum Glück schon sehr weit in der Vergangenheit – meine „Selbst-Therapie“ funktioniert also.  Ich habe vor allem Panik in „normalen“ Supermärkten. Die Gänge sind mir zu eng, überall stehen Aufsteller im Weg, die Regale sind zu hoch für mich, die Musik ist zu laut, die Duftwolken sind der absolute Horror, die Leute sind extrem hektisch und genervt, manche rempeln mich an oder schieben mir ihren Einkaufswagen in die Hacken und dann sind da im schlimmsten Fall noch schreiende Kinder. Das ist einfach zu viel für mich! In solchen Momenten kommt bei mir schnell die Panik auf. Erst möchte ich im Erdboden verschwinden und dann werde ich aggressiv und erkämpfe mir den Weg nach draußen.

Bei dieser Situation ist es eine Angstreaktion. Ich kann nicht genau sagen, welcher der einzelnen Faktoren zu der Attacke geführt hat; es wird wohl die Summe aller gewesen sein, denn irgendwann ist das Fass voll.

 

Für die Panik als Reaktion auf Furcht habe ich auch ein Beispiel. Zwischen dem Ende meines Wirtschaftsingenieur-Studiums und dem Beginn meines BWL-Studiums habe ich ein Praktikum in einem Büro gemacht. Dort ging es sehr chaotisch zu und das mag ich gar nicht! Eigentlich sollte ich nur in der Buchhaltung arbeiten, aber weil ich immer zu schnell fertig war, rutschte ich in einige Projektarbeiten rein und wurde zwischendurch auch noch an ein anderes Büro „verliehen“. Es war schrecklich, aber damit konnte ich noch halbwegs leben, denn ich habe mir meine Aufgaben selber sinnvoll ordnen können (manchmal)… Manchmal bezieht sich nämlich auf die Launen meiner Vorgesetzten, die sich nie so ganz einig waren, wer denn nun bei was das Sagen hat. Da ich eh ein Problem mit (selbsternannten) „Autoritäten“ habe, war das für mich der blanke Horror. Auf der einen Seite zweifle/zweifelte ich alles und jeden an und buttere/butterte jene Autorität unter, auf der anderen Seite muss/musste ich das so subtil machen, dass es niemandem auffällt, da man als Praktikant nichts zu sagen hat. Dazu kam auch noch, dass die Chefin des ganzen Ladens psychisch derart angeschlagen war, dass ich irgendwann nicht mehr wusste, ob ich nun Therapeutin, Buchhalterin, Sachbearbeiterin oder nur Praktikantin war?!  Meine Rolle wechselte ständig, meine Stellung in der Hierarchie wechselte ständig, meine Aufgaben wechselten ständig und die Launen der anderen wechselten ständig. Das war zu viel und dann kam die Furcht. Jeden Tag aufs neue fürchtete ich um meine Aufgaben, die ich mir natürlich schon vorbereitet hatte, fürchtete um meinen Platz, den ich mir natürlich schon sinnvoll organisiert hatte und, und, und. Daraus wurde gegen Ende des Praktikums Panik. Je näher ich dem Büro kam, desto schneller raste mein Herz. Teilweise begann das schon beim Einsteigen ins Auto. Hatte ich dann die Türklinke zum Büro in der Hand, bekam ich Schweißausbrüche und rannte nur noch zu meinem Platz; in der Hoffnung, dass noch nicht alle da waren und mich keiner abfängt, bevor ich mich kurz hinsetzen konnte.

Bilderbuch-Panik-Attacken!

Heute würde mir sowas nicht mehr passieren. Ich war zwar auch damals schon der ganzen Situation intellektuell und psychisch mehr als gewachsen, aber mir mangelte es an Selbstbewusstsein. Selbst wenn man nur Praktikant ist, muss man sich nicht alles gefallen lassen. Jedoch sollte man nicht in einen Egotrip verfallen, denn leider braucht man Geld zum Leben.

 

Es gibt aber auch Momente, da kommt die Panik scheinbar einfach so – nur mal kurz „Hallo“ sagen… Meist passiert das in Ruhephasen, wenn man zum Beispiel auf der Couch herumlungert und einen Film guckt. Dann hat das blöde Ding in unserem Kopf genug Zeit zu überlegen, was ihm in den letzten Wochen nicht so geschmeckt hat. Diese ganzen Situationen schmeißt es dann in eine Schüssel und wenn diese voll ist, bekommen wir Herzrasen, Schweißausbrüche, Bauchschmerzen und Co. Einfach so… Echt mies! 

Leider müssen wir uns dann an die eigene Nase fassen. Jetzt kommt: „hätte, hätte, Fahrradkette…“ Hätten wir die unschöne Situation erkannt und hätten uns damit befasst, wäre sie nicht in der besagten Schüssel gelandet. Leider huscht das Leben aber manchmal so schnell an uns vorbei, dass wir solche Lappalien nicht wahrnehmen oder sie vergessen/verdrängen. Vergessen kann helfen, muss aber nicht und Verdrängen hilft in keinem Fall.

Nun müssen wir entscheiden, ob wir uns mit jedem Krümel, der uns nicht schmeckt, befassen möchten, um eine Panikattacke zu vermeiden, oder ob wir ab und an diese Attacke einfach hinnehmen und akzeptieren.

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